MARTIN STEFKE

13. November 2010

DAS LEBEN DER ANDEREN

Abgelegt unter: THEATER — Martin Stefke @ 21:17

„Der Lebkuchenmann“ in Senftenberg

SENFTENBERG | Lachende Gesichter, strahlende Kinderaugen – auch die Darsteller in der Senftenberger Version von David Woods Erfolgsstück „Der Lebkuchenmann“ sind sichtlich erfreut über die jüngste Premiere an der Neuen Bühne. Ja, die Begeisterung der kleinen Zuschauer treibt ihr turbulentes Spiel noch weiter an. Manchmal scheinen sie die lautstarken Zwischenrufe, das anteilnehmende Kreischen, das Mitsingen und Klatschen zu verblüffen. Die Geschichte vom Lebkuchenmann, der zum Retter des kranken Herrn von Kuckuck wird, kommt an.

Wie die geht? Immer hat der Kuckuck in seiner Uhr gewissenhaft und pünktlich die Zeit ausgerufen. Nun aber hat es ihn erwischt: Seine Stimme kratzt wie ein Reibeisen. Die zwölf Rufe zur Mitternacht bringt Roland Kurzweg nur mit Mühe heraus, weil er einen Frosch im Halse hat. Sein Kuckuck quakt deshalb ja auch – und bekommt es mit der Angst. Denn wie die anderen Küchenbewohner fürchtet er, dass es ihm an den Kragen gehen könnte. „Ruhen Sie sich mal aus“, rät der Herr Salz: Benjamin Schaup spielt ihn als liebenswerten Seebären im Matrosenrock, der in einem bunten Pappkarton steckt, aus dem es leise rieselt. Doch nicht einmal sein plattdeutscher Akzent kann den Vogel noch beruhigen. Auch, weil ihm das rassige Fräulein Pfeffer (Hanka Mark) eine düstere Zukunft vorhersagt. „Was machen denn die Großen, wenn etwas nicht mehr funktioniert“, fragt sie süffisant und wedelt sich mit einem Fächer Kühle zu: „Sie werfen es in den Mülleimer.“ Und was da einmal drin ist, wurde auf dem Küchenregal nie mehr gesehen.

Auf einem Regal spielt die von Johannes Zametzer turbulent und ideenreich inszenierte Geschichte nämlich. Und das ist – neben der Tatsache, dass das Fräulein Pfeffer und der Herr Salz ihren Freund, den Kuckuck, retten wollen und dabei auf allerlei Hindernisse stoßen – eine schöne Idee. Diese kostet Ausstatterin Maria Frenzel lustvoll aus. Zwei Etagen hat sie auf die Rampe gebaut. Unten stehen Teller, Radio, Tasse und Espressokanne, oben ein bauchiger Teepott, Honig, eine Dose mit Kräutern. Hinter den Tellern gibt’s außerdem ein Mauseloch. Denn wie in jeder richtig guten Geschichte muss die Spannung steigen. Das passiert, weil die Maus Flitch alias „Gamasche“ einen weiteren Helfer – den frisch gebackenen und zum Leben erweckten Lebkuchenmann – fressen will. Friedrich Rößiger steppt im Nadelstreifenanzug mit rosa Mauseohren zur durch die Stile tanzenden Musik von Sebastian Undisz. Lutz Schneider grantelt als alter Teebeutel trefflich herum – und hilft dem Kuckuck am Ende zu alter Stimmkraft zurück. Wie, wird nicht verraten.

Inga Wolff lässt sich als Lebkuchenmann von allen Hindernissen nicht beirren. Wie ein Stehaufmännchen wirbelt sie herzensgut durch die Regalwelt. So wird die Aufführung zum Fest für die Kinder. An der Garderobe rief ein Junge laut: „Den Tag vergess ich nie.“ Recht hat er.

Nächste Vorstellungen am 14. November, 16 Uhr; 12. Dezember, 17 Uhr; 13.-16. Dezember, 11 Uhr, 19. Dezember, 16 Uhr. Neue Bühne, Theaterpassage 1, Senftenberg. Karten unter 03573/801286.

Zuerst veröffentlicht in der Märkischen Allgemeinen am 13. November 2010

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