MARTIN STEFKE

10. November 2010

PROTESTKULTUR

Abgelegt unter: ROCK — Martin Stefke @ 21:00

Wulff ließ Lindenberg den Vortritt

Udo Lindenberg und Bundespräsident Christian Wulff in Neuhardenberg Foto: Martin Stefke

Udo Lindenberg und Bundespräsident Christian Wulff in Neuhardenberg Foto: Martin Stefke

NEUHARDENBERG | Was war denn das? Ausgerechnet dem Deutschrocker Udo Lindenberg räumte am Montagabend – am Vorabend des 20. Jahrestages des Mauerfalls also – der erste Mann im Staate, Bundespräsident Christian Wulff, die Bühne. „Keine Panik“, hatte der CDU-Politiker die rund 350 geladenen Gäste und Journalisten in der Schinkel-Kirche Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) beruhigt: Er werde hier nicht singen.

Und stimmte doch ein kurzes Hohelied auf den 64-jährigen Panik-Rocker an, würdigte schnell Lindenbergs Verdienste um die deutsche Einheit, um dann neben dem Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Herbert Hassis amüsiert dem anderthalbstündigen Konzert zu lauschen. Lindenberg freute sich derweil erst einmal über die neue Protestkultur im Lande. Er lobte sie als „hohe Qualität unserer Demokratie“ und stellte fest, dass es viel besser sei, wenn sich „die Bürger – vom Kleinkind bis zu den heißen Greisen – einmischen“ und nicht nur alle vier Jahre ein Kreuzchen machen“. In Anspielung auf die ausstehende Unterschrift unter den Vertrag für die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke gab er „dem Panikexperten Christian“ den Tipp, „doch vielleicht einen kleinen Gichtanfall zu bekommen“ und so das Gesetz noch zu verhindern.

Nach „Cello“ sang die „Nachtigall“ dann so manchen Hit für die „bunte Republik“ – mit Celina Bostic und Nathalie Dorra bewegende Duette wie „Summertime“, „Was hat die Zeit mit uns gemacht“ und „Mädchen aus Ostberlin“. Leider fehlten für die wirklich ganz große Stimmung diesmal die Drums des Panikorchesters. Dafür aber hatte Lindenberg Anna Loos und Silly mitgebracht. Vielleicht ja als ein Vorgeschmack auf die „Panik Akademie“. Sie wird im kommenden Jahr in Neuhardenberg ihre Arbeit aufnehmen. Workshops für Musiker und Konzerte mit Bands aus Osteuropa stehen da auf dem Programm. „Wir müssen uns noch besser kennenlernen“, sagte Lindenberg. „Und“, fügte er schmunzelnd hinzu, „die Gegend hier beleben.“

Zuerst veröffentlicht in der Märkischen Allgemeinen am 10. November 2010

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