MARTIN STEFKE

22. September 2010

LÜGENMUSEUM GANTIKOW

Abgelegt unter: KUNST — Martin Stefke @ 00:24

Reinhard Zabka vor dem Lügenmuseum Gantikow Foto: M. Stefke

Reinhard Zabka vor dem Lügenmuseum Gantikow Foto: M. Stefke

Zabkas Lügenmuseum ausgeräumt

KYRITZ | Das Kunstwerk Lügenmuseum Gantikow (Ostprignitz-Ruppin) ist zerstört. In den vergangenen Tagen wurden sämtliche Exponate verpackt und in ein provisorisches Quartier im Ort gebracht.

Künstler und Museumsgründer Reinhard Zabka kam damit einer neuerlich drohenden Zwangsräumung zuvor. Denn obwohl erst Mitte Juli die Schließung des Museums verhindert werden konnte, wurde das Gutshaus Anfang September wieder unter Zwangsverwaltung gestellt. Gegen den Besitzer der Immobilie, den Verein Offene Häuser, waren neue Forderungen bekannt geworden.

Mit dem Auszug zahlt Reinhard Zabka einen ungeheuren Preis: Er selbst musste sein eigenes Kunst- und Lebenswerk demontieren, das er in 13 Jahren in Gantikow geschaffen hat. Kein Wunder, dass Zabka diesen Vorgang gestern mit dem Tod verglich. „Aber das ist ja das Dilemma der Kunst“, sagte er dann kämpferisch: „Künstler sind schonungslos. Sie produzieren drauflos, egal ob es jemand braucht oder nicht.“

In der Region gibt es augenscheinlich allzu viele, die den umstrittenen Künstler und das inzwischen weit über Brandenburgs Grenzen hinaus bekannte Museum nicht zu brauchen glauben. Denn obwohl sich zuletzt sogar Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) für den Erhalt des Museums aussprach, in der Prignitz ist die Ablehnung groß. So sprach sich der Ortsbeirat ungewöhnlich scharf gegen den Erhalt des Lügenmuseums aus. Dass viele in dem Museum ein Meisterwerk eines genialen Künstlers und Vordenkers sehen, wollen dessen Gegner nicht gelten lassen. Sie halten Zabkas Kunst für Scharlatanerie. „Das Ende“, sagt Zabka derweil, „ist das nicht. Ich gebe nicht auf.“ Bis Ende September wird im nun leeren Museum weiterhin Lügentee serviert und die Geschichte des Hauses erzählt.

Lügenmuseum. Am Anger 1, Kyritz/ OT Gantikow. Telefon 033971/54782. www.luegenmuseum.de

zuerst veröffentlicht in: Märkische Allgemeine vom 11. September 2010

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