MARTIN STEFKE

16. März 2010

ENTE GUT, ALLES GUT

Abgelegt unter: AUSSTELLUNG — Martin Stefke @ 21:53

Die Stiftung Schloss Neuhardenberg und die Gruppe Inter-Duck bitten zur „Duckomenta II“

NEUHARDENBERG | Natürlich kann man schmunzeln. Man kann lächeln, manchmal kurz auflachen, mitunter sogar losprusten. Doch mal ehrlich: Das hält nicht lange an. Wer amüsiert sich schon 120-mal köstlich über die gleiche Pointe?

Auf nichts anderem aber als auf einem einzigen Gag beruht die sogenannte „Duckomenta“, jene Ausstellung der Künstlergruppe InterDuck, die am Sonntag von Bernd Kauffmann, dem Generalbevollmächtigen der Stiftung Schloss Neuhardenberg, und Kristina Schröder, der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in Neuhardenberg eröffnet worden ist.

Ihr Humor, der für Kauffmann „mit den trostlosen Sumpfblüten der globalisierten Spaßgesellschaft so wenig gemein hat wie die Marx Brothers mit den hirndefekten Kaspereien eines Mario Barth“, funktioniert stets nach ein und derselben Methode: Nahezu alles, was wir Menschen von unseren Lehrern, aus schlauen Büchern und den Medien wissen, muss, so jedenfalls die augenzwinkernde These von InterDuck, auf einer großen Lüge beruhen. Denn in Wahrheit ist alles ganz anders: Wohin man in der Geschichte unseres Planeten auch schaut, immer ist vor oder zumindest neben den Menschen schon eine Ente da gewesen.

Zur wissenschaftlichen Erhärtung dieser Auffassung von der „Ver-Entung der Welt“ führen Eckhart Bauer, Ommo Wille, Anke Doepner, Volker Schönwart und Rüdiger Stanko in der zweiten Auflage der Schau, im Frühjahr 2003 waren sie schon einmal vor Ort, an die 120 schlagkräftige Beweise an. Wir erblicken Gemälde und Büsten, Kultgegenstände, Plakate und Fotografien und einige meist ziemlich echt wirkende Fossilien. Die auf ihnen erkennbaren Gestalten tragen allesamt Entengesichter, wie wir sie aus den Comics und Filmen von Walt Disney kennen. Donald, Dagobert, Daisy, Tick, Trick und Track – alle sind sie da.

Und ihre nahen und fernen Verwandten. Denn ob die Venus von Villendorf, Ötzi oder Homer, die Nofretete, Leonardo da Vinci, Goya, Dürer oder Rembrandt, Monet und Manet, Spitzweg, Egon Schiele, Gustav Klimt, Edvard Munch, Salvatore Dali, Francis Bacon, Georg Baselitz, ja selbst Marilyn Monroe – an all den uns so gut Bekannten aus Jahrtausenden der Kultur- und Kunstgeschichte muss irgendwas schrecklich gelogen sein.

Nach dem Ausstellungsbesuch wissen wir jedenfalls nicht nur ganz genau, die als Fruchtbarkeitssymbol gedeutete jungsteinzeitliche Venus von Villendorf muss eine Ente sein und deshalb in Zukunft wohl Venus von Villenduck genannt werden. Auch dass der Archeopterix im Solnhofer Plattenkalk ein „Duckaeopterix“, ein Urentenvogel, gewesen ist, haben wir nun registriert.

Die Liste der Narrheiten lässt sich fortsetzen. Sie wird in den kommenden Jahren von der Gruppe wohl auch noch einmal fleißig erweitert werden. Vorerst aber geht es von der steinernen Vorzeit über das antike Griechenland, ins römische Kaiserreich, nach Asien bis ins Mittelalter. Hier sehen wir ein „reales“ Porträt Walther von der Vogelweides (natürlich mit Entenschnabel). Von einer schnabellippigen Version der „Mona Lisa“ Leonardo da Vincis flanieren wir an Raffaels der Öffentlichkeit lange vorenthaltenem Entwurf für die Enten-Engel der „Sixtinischen Madonna“ und am Porträt vom entenköpfigen Mozart, am „Bildnis von Erasmus von Dotterdam“ und Exponaten aus dem südlichen Ducatan vorbei. Wir sehen den mumifizierten Erpel Doetzi im ewigen Eis, den „Turm der blauen Enten“ von Franz Marc, das „Altersselbstbildnis der Käthe Duckwitz“ und eine

„Politikerpersönlichkeit“, an der wir unschwer die Züge der Bundeskanzlerin ausmachen. Über allem aber finden wir eine bisher unbekannte Ausgrabungsstätte Heinrich Schliemanns. Was der Archäologe in Ägypten wohl für Mumien gefunden hat? Wie gesagt: Man kann schmunzeln. Doch lange hält das nicht an.

„Duckomenta II – Die Enten sind zurück. Neue Werke und Funde“: Schloss Neuhardenberg, Ausstellungshalle. Schinkelplatz, Neuhardenberg. Di-So 11-19 Uhr. Bis 13. Juni.

Zuerst veröffentlicht in: Märkische Allgemeine vom 16. März 2010

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