MARTIN STEFKE

13. Mai 2011

EXPERIMENTIERSTUBE MARK

Abgelegt unter: ALLGEMEIN, ARCHITEKTUR, AUSSTELLUNG — Martin Stefke @ 12:49

Themenjahr zur Moderne in Bernau eröffnet

BERNAU | Brandenburg – das sind der Alte Fritz, sein Sanssouci, die Kiefern, Alleen und Seen, die Spreewaldgurken und der Spargel. Mit derlei

Koordinaten jedenfalls wird noch immer allzu gern das Bild des Landes zwischen Wittenberg und Spremberg, zwischen Prenzlau und Jüterbog vermessen. Doch mittlerweile sollte sich herumgesprochen haben: In unserem Bundesland gibt es weit mehr Fixpunkte. Und das meint nun nicht nur die von Theodor Fontane erwanderten Herrenhäuser und Dorfkirchen, sondern die Architektur der Moderne.

Detlef Karg, seines Amtes Landesdenkmalpfleger, betont seit Jahren, welch bedeutenden Schatz die Mark mit ihren Baudenkmalen aus der Zeit zwischen den Weltkriegen besitzt. Jetzt hat auch das Kulturland-Jahr das Thema auf seine Agenda gesetzt. Anlässlich des 100. Jahrestages der Grundsteinlegung der Babelsberger Filmstudios erinnert es einerseits an die erzählenswerte Geschichte der bewegten Bilder und andererseits an die Aufbruchsstimmung in der Baukunst.

Gestern wurde das Kulturland-Jahr eröffnet – in einem herausragenden Bauwerk dieser Zeit: der von 1928 bis 1930 von Hannes Meyer und Hans Wittwer errichteten Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau. Paul Schwingenschlögl an der Trompete und Stefan Fischer am Klavier ließen zum offiziellen Auftakt des Themenjahres „Licht – Spiel – Haus: Moderne in Film, Kunst und Baukultur“ dann aber statt eines stürmischen Aufbruchs doch eher cineastisch-elegische Töne erklingen. Fünf Stelzenläufer in von Oskar Schlemmers Triadischem Ballet inspirierten Kostümen schauten den über 200 Festgästen – unter ihnen Kulturministerin Sabine Kunst, Bernaus Bürgermeister Hubert Handke und Hausherr Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin, auf die Köpfe. Es gab Freude über das Kulturland-Jahr und wiederholt Lob für die Sanierung des 2008 mit dem Knoll Modernism Prize des World Monument Fund ausgezeichneten Baudenkmals.

„Dieser Bau ist ein Bau des Lebens und nicht der Kunst“, hatte Bauhaus-Lehrer Meyer seinerzeit bei der Eröffnung des zukunftsweisenden, sanft in die karge Landschaft gesetzten Ensembles aus Lehrgebäuden, Internats- und Lehrerhäusern gesagt. Jetzt ordnete Kulturministerin Kunst – Ministerpräsident Matthias Platzeck hatte wie schon im vergangenen Jahr kurzfristig abgesagt, weil ihn diesmal energiepolitische Fragen plagten – im Kleistjahr gleich den Frankfurter Dichter und seine „Partituren des Abgesanges“ in die Moderne ein. Die Ministerin warb für die Mark als „Experimentierstube der Moderne“, in der „zwischen den Spuren der Gartenstadt Eden und dem restaurierten Dieselkraftwerk in Cottbus viel zu entdecken“ sei. Festredner Frank Kallensee, Kulturredakteur der Märkischen Allgemeinen, hielt ein Plädoyer für das Leben und warnte vor Misstrauen gegenüber der Gegenwartskunst und der Heilssuche in Stadtschlosskopien. Die Moderne, so Kallensee, sei hierzulande eine „noch immer nicht hinreichend erkannte, geschweige denn geschätzte Größe“. Mozart und Rubens zögen mehr als die Brandenburger Georg Katzer und Hans Scheuerecker.

Kallensee forderte, „Waffelfassaden“ und „Abschreibungsarchitektur“ zu verhindern, und regte eine „Route der Moderne“ durch Brandenburg an. Kulturland-Geschäftsführerin Brigitte Faber-Schmidt erwiderte: Eine Karte für diese Route gäbe es seit der Ausstellung „Aufbruch in die Moderne“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam ja bereits.

www.kulturland-brandenburg.de

Zuerst veröffentlicht in: Märkische Allgemeine vom 13. Mai 2011

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack-URL

Einen Kommentar hinterlassen

Powered by WordPress ( WordPress Deutschland )