MARTIN STEFKE

4. August 2011

3000 Stimmen für die Lüge

Abgelegt unter: ARCHITEKTUR, AUSSTELLUNG — Martin Stefke @ 15:15

Reinhard Zabka übergibt im Kulturministerium Unterschriften für den Erhalt seines Museums

POTSDAM | Gut gelaunt und doch mit dem nötigen Sicherheitsabstand begrüßte gestern Kulturstaatssekretär Martin Gorholt den Gründer des wohl eigensinnigsten Museums der Mark, des Lügenmuseums Gantikow (Ostprignitz-Ruppin) – den Künstler Reinhard Zabka.

Bekanntlich ist dessen fantasievolles Universum der augenzwinkernden Kunst, in dem der heute 61-Jährige seit 1997 so skurrile – und natürlich „echte“ – Exponate wie Willy Brandts Geburtsstube, Winnetous Silberbüchse und das abgeschnittene Ohr Vincent van Goghs präsentierte, seit Herbst 2010 geschlossen. Nach Streitigkeiten mit dem Besitzer der Immobilie, dem Verein Offene Häuser e.V., hatte Zabka damals das Gutshaus im zu Kyritz gehörenden Prignitzdorf geräumt.

Vielleicht dachte Martin Gorholt gestern ja, der unorthodoxe Kunstprovokateur und „Lügenbaron“ werde in seiner Amtsstube für einen Eklat sorgen. Den einstigen Kulturminister Steffen Reiche hatte Zabka seinerzeit äußerst unangenehm überrascht: Zabka schüttete ihm einen Eimer Senf über das Ministerhaupt und erklärte den Vorgang zur Kunstaktion.

Gorholt blieb ähnliches erspart. Geradezu staatsmännisch gelassen übergab der Künstler 3000 Unterschriften, mit denen sich Freunde und Besucher des Hauses für den Erhalt des Lügenmuseums ausgesprochen hatten. Ein Lächeln und ein Händedruck – schon wechselte der 120 Seiten starke Stapel Papier den Besitzer. Zabka nutzte den Termin, um Gorholt über die derzeitige Situation des Museums zu informieren. Er habe Alternativstandorte gesucht. Derzeit gäbe es mehrere Interessenten. Dank der Unterstützung eines Berliner Unternehmers hat Zabka jetzt in der Alten Schmiede in Gantikow ein provisorisches Domizil gefunden. Ob er das Museum dort jedoch wieder eröffnen kann – und auch will –, ist noch offen. Bei den Gantikowern stößt die wundersame Welt des „Lügenbarons“ nämlich auf wenig Gegenliebe.

Martin Gorholt sagte Zabka erneut die Unterstützung des Landes zu. Eine Anschubfinanzierung und Projektförderungen, so Gorholt, seien denkbar.

Reinhard Zabka zeigte sich optimistisch. „Ich lasse mich nicht unterkriegen“, sagte er. Er arbeite in Gantikow wieder mit Freude an seiner Kunst. Besucher sind ihm willkommen. Für sie öffnet er sein Atelier.

Lügenmuseum Gantikow in der Alten Schmiede, Am Anger, Gantikow. Infos unter 0176/990 25 65.

Zuerst erschienen in: Märkische Allgemeine vom 4. August 2011

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack-URL

Einen Kommentar hinterlassen

Powered by WordPress ( WordPress Deutschland )